Routine bringt Struktur. Ritual bringt Verbindung. Was heute fehlt.
- Carlina Anderes

- 23. März
- 3 Min. Lesezeit

Ich glaube wir haben Rituale verloren. Und damit etwas das uns verbindet.
Ich wundere mich zunehmends darüber, dass in Social Media und in der Persönlichkeitsentwicklung die Suche nach Sinn, Zugehörigkeit und Identifikation stark zunimmt. Unsere Welt, die der Arbeit und der Gesellschaft ist in einem rasanten Wandel. Zu schnell, zu viel, der Mensch bleibt aussen vor. Denn anstatt mehr Zugehörigkeit und Verbindung, geschieht das Gegenteil. Nicht nur in privaten Rahmen, auch in Unternehmen sinken Werte wie Zugehörigkeit, Verbindung, Vertrauen und Verantwortung. Ein Fakt, die Menschen werden einsamer. Das ist keine These, das ist Realität.
Und ich frage mich: Hat das auch damit zu tun, dass wir Rituale durch zunehmends durch Routinen ersetzt haben?
Zuerst werden wir die Begriffe aus anderes-denken Sicht und im Kontext von Arbeit einordnen:
Routinen sind funktional. Sie strukturieren den Alltag, geben Orientierung und helfen uns, den Tag zu bewältigen. Sie sind wichtig, keine Frage.
Rituale sind etwas anderes. Sie sind bewusste Unterbrechungen. Sie geben Sinn, schaffen Verbindung und tragen über die reine Funktion hinaus.
Sind Rituale Relikte aus vergangenen Zeiten? Rein ins Religiöse verschoben? Viele Menschen denken bei Ritualen sofort an Hochzeit, Geburt oder den Tod. Die grossen Übergangsmomente, welche uns helfen, Veränderungen gemeinsam einzuordnen. Sie geben Form, wenn das Leben herausragend, chaotisch oder schmerzhaft ist. Doch Rituale sind keine Erfindung der Religion. Die gab es schon sehr viel früher. Rituale entstehen dort, wo Menschen zusammenkommen und etwas schaffen wollen. Wir erleben sie alle. Täglich. Oder wir haben sie verloren.
"Rituale sind keine Erfindung der Religion. Sie sind ein menschliches Grundbedürfnis."
Schauen wir mal im Kontext von Arbeit genauer hin: Es gab Momente die ich nie vergessen werde. Gemeinsame Mittagessen wo Allianzen geschmiedet wurden, Veranstaltungen wo neue Ansichten platz fanden. Die Pause die keine Agenda hatte. Das Feierabendbier, wo die halbe Firma dabei war, weil es gut tat. Diese Momente haben nicht nur den Tag strukturiert, sie haben Zugehörigkeit geschaffen.
Die Momente haben Raum geschaffen, für das was in Sitzungen keinen Platz hatte. Einen Ort um Dinge zu verarbeiten, auch mal zu sagen was unangenehm ist oder einfach nicht in den Kontext von Arbeit passt. Das ist kein Zufall. Das ist der symbolische Wert von Ritualen.
In den letzten Jahren haben wir uns nicht nur im privaten Umfeld verbessert, sondern der Fokus in Unternehmen war und ist bis heute stark auf Optimierung. Strukturen stetig anpassen, Prozesse und damit auch Routinen effizienter gestalten, leaner, automatisierter, KI-basierter, etc. Dabei sind die Formen auf der Strecke geblieben, die Menschen verbinden. Ich denke dabei an: zu viel Home Office, zu viele Sitzungen, lieber alleine essen etc.
Ich sehe das täglich in meiner Arbeit mit Teams und Organisationen. Die Effizienz steigt und das Gefühl von Zugehörigkeit sinkt. Keine Verbindung mehr.
"Effizienz steigt. Zugehörigkeit sinkt. Das ist kein Zufall."
Ein Beispiel: In der Geschäftsleitung wurde eine Idee entwickelt um die Abwicklung im Alltag zu vereinfachen. Ein neues Tool soll beschafft werden, die Prozesse digitalisiert, der Alltag verändert sich. Die Kommunikation an die Mitarbeitenden? Eine TEAMS-Nachricht vom Geschäftsführer.
Aus Sicht der Geschäftsleitung und involvierten Stellen macht das Sinn. Sie haben sich monatelang damit beschäftigt. Für dieses Gremium ist es klar.
Für die Mitarbeitenden bedeutet dieselbe Nachricht: Veränderung. Ungefragt. Vorgegeben. Widerstand vorprogrammiert.
Was gefehlt hat, war kein besseres Tool und kein detailliertes Dokument. Es fehlte ein Ritual. Ein Moment wo Menschen zusammenkommen, mitgestalten und verarbeiten können. Ein Workshop für Gespräche auf Augenhöhe und einen gemeinsamen Start. Ohne diesen Moment entsteht mehr Widerstand. Nicht weil das Vorhaben schlecht ist. Sondern weil die Verbindung fehlt.
(dieses Beispiel kann auf verschiedene andere Ausgangslagen adaptiert werden)
Ich bin überzeugt: Wenn Rituale fehlen, fehlt Verbindung. Und ohne Verbindung kein echter Wandel.
Deshalb braucht es mehr Rituale in Veränderungs- und Digialisierungsprozessen. In Einzelfirmen, in KMU's, in Teams.
Kommunikation, Struktur und Wandel gehören zusammen. Und Rituale sind aus meiner Sicht das Bindeglied. Deshalb ist es bei anderes denken auch so wichtig: Bewährtes mit Neuem zu verbinden.
Welches Ritual fehlt in deinem Team gerade und was würde es verändern?
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Das ist ein spannender Gedanke, das habe ich so noch nie betrachtet. Ich kenne das aus einigen Companies, dass Rituale gepflegt werden, zur Begrüßung oder Verabschiedung von Kollegen, bei Meetings oder bei Geschäftsabschlüssen. Oft ist das informell und man fühlt sich wie eine eingeschworene Gemeinschaft, wenn man ein Teil davon ist. Das war mir nie so bewusst, aber ich kann mir vorstellen, dass das in der immer stärker durchgetaktete (Business)Welt zunehmend verloren geht.
Tanja Bernsau